Gemeinderatssitzung vom 06.02.2012

Naturnahe Umgestaltung des Seebaches im Bereich der Brücke Bahnhofstraße

In den vergangenen Jahren hat sich die Gemeinde immer wieder mit dem Sanierungsbedarf des Seebaches im Bereich der Brücke Bahnhofstraße beschäftigt. So auch in der öffentlichen Gemeinderatsitzung am 06. Februar,  in der Dipl.-Ing. Sascha Arnold vom Büro StadtLandFluss die Möglichkeiten zur naturnahen Umgestaltung des Seebaches vorstellte.

Im Bereich der Brücke Bahnhofstraße bachaufwärts ist der Seebach
                      vollständig verbaut und verläuft in einem betonierten Kastenprofil Bild vergrößern - Zoom

Im Bereich der Brücke Bahnhofstraße bachaufwärts ist der Seebach
vollständig verbaut und verläuft in einem betonierten Kastenprofil

Im Rahmen einer Diplomarbeit hat im Jahr 2001 eine Studentin von der Fachhochschule Nürtingen einen Gewässerentwicklungsplan für den Trinkbach/Seebach ausgearbeitet. Dabei wurde der Bestand aufgenommen, das Gewässer bewertet und eine Konfliktanalyse erstellt, aus der sich Erhaltungs-, Entwicklungs- und Umgestaltungsmaßnahmen ergeben. Festgestellt wurde unter anderem, dass der Seebach Richtung Ortsmitte stark beeinträchtigt bzw. vollständig verändert ist und grundsätzlich Handlungsbedarf besteht.


Bei seiner Klausurtagung im Oktober 2006 besichtigte der Gemeinderat ebenfalls den Seebach im Bereich der Brücke Bahnhofstraße und beauftragte die Verwaltung, zusammen mit dem Wasserwirtschaftsamt den Sanierungsbedarf zu prüfen. Im Mai 2007 stellte das Landratsamt bei einer Ortsbegehung dann fest, dass kein aktueller Handlungsbedarf besteht, nachdem sich nur kleinere Platten oder Teile lösen. Es wurde empfohlen, von einer Sanierung des bestehenden Zustandes abzusehen und mittelfristig eine ökologische Sanierung des Bereiches mit Entsiegelung durchzuführen.

Bedingt durch notwendige Ausgleichsmaßnahmen für die Gewerbegebietserweiterungen „Zeller Straße“ und „Dr. Bernhard-Hauff-Straße“ wurde das Thema von der Verwaltung wieder aufgegriffen und das Büro StadtLandFluss mit einer ersten Untersuchung zur naturnahen Umgestaltung des Seebaches im Bereich der Brücke Bahnhofstraße beauftragt.

Dipl.-Ing. Sascha Arnold stellte zunächst fest, dass die Gewässerstrukturgüte für den Seebach „mäßig bis deutlich verändert“ und damit aus gewässerökologischer Sicht stark entwertet ist. Der starke Verbau der Bachsohle und der Ufer verhindert, dass der Bach eigendynamische Strukturen und Lebensräume schaffen kann. Für Fische und Kleinlebewesen sind keine Rückzugsräume vorhanden, für wandernde Gewässerorganismen gibt es keine Durchgängigkeit des Baches.

Im Weiteren erläuterte Dipl.-Ing. Arnold mögliche Maßnahmen, die wegen fehlender Flächen im Gewässerumfeld im Wesentlichen nur innerhalb des bestehenden Querschnittes möglich sind - der Rückbau des Sohlenverbaus und Ersatz durch eine Sohlbefestigung in Form einer Steinschüttung, die Strukturierung der Sohle durch Störteile und Buhnen und die Förderung von Anlandungen und gewässertypischer Vegetation. Oberste Priorität ist dabei die Herstellung der Durchgängigkeit des Gewässers. Außerdem ist bei allen Maßnahmen besonderes Augenmerk auf die Beachtung des Hochwasserschutzes zu richten.
Aus planerischer Sicht stellte Dipl.-Ing. Arnold zwei weitere Maßnahmen in den Raum. Zum einen die Schaffung eines Gewässerzuganges am Connantreplatz, ähnlich wie in Jesingen oder Weilheim. Zum anderen ist denkbar, den Seebach im Bereich des Baugebietes Ringstraße in das Retentionsbecken zu verlegen und ein naturnahes Profil zu schaffen. Beide Möglichkeiten gilt es bei der weiteren Planung zu prüfen und zu untersuchen.

Die naturnahe Umgestaltung des Seebaches kann grundsätzlich in zwei Abschnitten realisiert werden. Der erste Bauabschnitt liegt zwischen der Brücke Kirchheimer Straße und Brücke Bahnhofstraße mit einer Länge von 130 m und Bruttobaukosten von € 75.000. Der zweite Bauabschnitt erstreckt sich oberhalb der Brücke Bahnhofstraße auf eine Länge von 75 m und Bruttobaukosten von ca. € 50.000. Eine Förderung der Gewässerbaumaßnahme durch die Förderrichtlinie Wasserwirtschaft vom Land Baden-Württemberg mit

50 % der Bau- und Planungskosten ist möglich und auch realistisch.

Der Gemeinderat zeigte sich sehr angetan von dem vorgestellten Untersuchungsergebnis zur Renaturierung des Seebaches und stellte mit einstimmigem Beschluss im Haushalt 2012 als erste Rate für Planung und etwaige Maßnahmen € 20.000 bereit. Als Grundlage für die weitere Beratung wird nun eine Begehung mit dem Gemeinderat stattfinden. Außerdem wird das Gremium auch bereits ausgeführte Maßnahmen in der näheren Umgebung besichtigen.